Ein Ford Mustang spielt vor 50 Jahren im Film „Bullitt“ eine wesentliche Rolle. Ford hat anlässlich des 50-jährigen Filmjubiläums das Sondermodell Bullitt herausgebracht. Ich wiederum hab mich mit dem Testosteron-Bomber aufgemacht …

Text & Bild: Petra Mühr

So  muss sich also Steve McQueen alias Lieutenant Frank Bullitt gefühlt haben, als er sich 1968 für den gleichnamigen Film in einem Ford Mustang GT Fastback in Highland Green mit zwei Killern in einem schwarzen Dodge Charger eine Hochgeschwindigkeits-Verfolgungsjagd durch die Straßen von San Francisco liefert: Meterweit springt er mit dem bollernden Achtzylinder über Kuppen. Kratzt rauchend um die Kurven. Von dem Dodge fliegen Radkappen scheppernd davon. Andere Autofahrer bremsen sich in letzter Sekunde quietschend ein …

Ähm, tja. Ich lasse mal lieber die Ponys im Stall, aber so ein Mustang, noch dazu der (zu Ehren des eingangs Erwähnten produzierte)  Ford Mustang Bullitt, lässt einfach immer wieder ungeahnte Energien und Phantasien frei!

Aber weder springe ich mit dem Presse-Mustang über Kuppen – ich springe generell mit keinem Auto über Kuppen – noch drifte ich mit ihm und rauchenden Reifen um Kurven.

Ford Mustang Bullitt – eine Hommage, anlässlich des 50-jährigen Filmjubiläums „Bullitt“.

Nicht die Straßen von San Francisco

Allerdings habe ich mich nach einigen, den vielen hügeligen Straßen in Frisco ähnlichen Wegen umgeschaut, auch solche gefunden, allerdings ohne die typische Häuserkulisse der hügeligen Stadt im Norden Kaliforniens.

Wo geht‘s hier bitte nach San Francisco?

Stattdessen entdeckte ich auf meiner Erkundungsfahrt – die alles andere als schnell und rasant und mit Vollgas verlief, sondern eher bedächtig, um ja keine geeignete Location zu verpassen, dafür aber mit Rennstrecken-Motorsound (dazu gleich mehr) – ich entdeckte also ein Schloss.

Schlosspferde. 464 an der Zahl.

Zugegeben ein etwas in die Jahre gekommenes Schloss, aber durchaus eine passende Location, um den grünen Glüher von allen Seiten und Perspektiven zu verewigen und, während ich mich vor, hinter und neben ihm in den Staub warf, vorbeifahrenden Traktor- und Sonntagsfahrern einige Rätsel aufzugeben …

Großmaulgaul.

Appetitlicher A…llerwertester.

Strahlerachtzig-Blick. Vom Bullitt ;-)

Guckst du?!

Was macht die denn da?
Was macht die vor der Schlosseinfahrt?
Und überhaupt: Was ist das für ein Auto?

Nun habe ich diese Fragen  nicht wirklich vernommen, sie jedoch mehr oder weniger an den großen Augen, offenen Mündern und Schlangenlinien fahrenden Fahrzeugen abgelesen.
Denn: Der Bullitt ist zwar weithin für Mustang-Kenner als Mustang erkennbar, aber da weit und breit kein Mustang-Pony sichtbar ist, schlichen des öfteren verschiedenste Menschen neugierig und ungeniert knapp um den bombastischen Boliden.
Auf dem Supermarktparkplatz ebenso wie hinter dem Verlag oder sogar auf der Tankstelle, während ich den Durst des Ungeheuers bei der Kassa bezahlte.

Einziges Pony-Indiz: der Schlüssel. Der natürlich nur während der Fahrt im Auto ruhte …

Womit ich kurz – auch wenn ich es jedes Mal beim Mustangreiten erwähne – erneut auf einen der wichtigsten Faktoren für Frauen hinweise, so sie ein solches Pferd zu Bewegen haben:
NIEMALS UNDERDRESSED ODER UNGESCHMINKT ANS STEUER!
Denn: Mit dieser Kiste bist Du im Visier, im Fokus, auf der Bühne. Selbst wenn Du nur den A… des Autos bei der Einfahrt rausschiebst, hängt die Nachbarschaft am Fenster, bremsen sich die Autos auf der Straße ein, kriegst Du ein Daumen-Hoch von der dicken Dame mit dem penetrant keifenden Köter.

Wer also nicht mit dem noch unabgedeckten Pickel auf der Stirn oder dem auszahdn T-Shirt am Leib erspäht oder gar fotografiert werden will, die/der wirft sich in passende Panier und klatscht sich mächtig Make-up ins Gesicht.

Ladies, benehmt Euch so cool wie nur irgendwie möglich.

Für die kleine Verfolgungsjagd zwischendurch

Doch genug des heiteren Geplänkels und widmen wir uns den eigentlichen Bestimmungen des Bullitts.

Die da wären:

  1. Beschleunigung, brachiale
  2. Bollern, brüllendes
  3. Auftritt, angeberischer (okay, schon abgehakt)
  4. Fortbewegung, immer lautstark und ohrenbetäubend (korrespondiert mit Punkt zwei)

Das ist gut so und zwar nicht alltäglich, aber ideal, um auch im Alltag die eine kleine oder größere Verfolgungsjagd einzubauen.
Ob das nun die echte durch den Wohnort ist, bei der ich mich dem stets derb und primitiv klingenden aufgemotzten Japaner an den angebohrten Auspuff hefte – der immer genau vor unserem Garten seine grauslich getunte Reibn aufziagt und mich somit zu noch nicht angesagter Aufstehzeit in der Sekunde in den Wachmodus  versetzt – und ihn an geeigneter Stelle aber so was von polier’ und ihm die vierfachen Auspuffendrohre vor seinen Kühlergrill knalle! Ha!!

Oder aber die fiktive. Bei der ich mit der Freundin wochentags nach einer ausgiebigen Ratscherei noch den aktuellen Testtypen vorführe, Bullitt also, und zu diesem Behufe zu nachtschlafener Zeit durch die Wiener Vorstadt röhre, die Gehsteige hochgeklappt, alle Fensterläden der Villen geschlossen, und wir zwei Mittelalterlichen, kreischend in die Recarositze gedrückt, pledern lärmend und zu schnell durch ein Gasserl nach dem anderen.

Rrrrrrrrrr.

Noch ein paar Worte zum Sound

Nein, lieber keine Worte, sondern ein Video. Von innen, also eh gedämpft, aber hoffentlich hört und versteht jede/r, dass ich nicht anders konnte, als dieses Auto immer im krassesten Soundmodus zu fahren. Alles andere wäre fad, feig, ja förmlich Frevel an Ford und dieser köstlichen Karre …

Was er ist und was er kann:
Ein brüllendes, böses und extrascharfes Biest, das zum dauerhaften DeppertdurchdieGegendpreschen verführt.
Muscelcar.
Angeberkarre.
Aber alles zu Recht!
Geht allerdings in dieser Form und Farbe auch als elegantes Coupé durch, weil er
a) durch das fehlende Pony, das sich nur auf dem Schlüssel befindet, nicht sofort als Mustang zu identifizieren ist und
b) die distinguierte Farbe auch ein dezenter Nobelhobel sein könnte.

BLBLBLBLBLBLBLBLBLBLBLBL. Mustang Bullitt.

Was uns besonders gut gefällt:
WAS soll uns NICHT besonders gut gefallen? ALLES!
Ok, vielleicht ist es doch der unverkennbare, immer brabbelnde und mächtige Sound …

…und der adaptive Abstandstempomat, der nicht nur blitzschnell, sondern auch total harmonisch agiert und reagiert. Sowohl beim Beschleunigen als auch beim Einbremsen. Top!!

Sein Style.

Der Kofferraum ist auch echt üppig.

Mir fiele noch einiges mehr ein …

Was wir gerne hätten:
als verwöhnte Motorjournalistin: Sitz- und Lenkradheizung

Bye, bye, Bullitt, es woar a Wahnsinn mit dir!

Ford Mustang Bullitt
Leistung: 110 kW/464 PS
Antrieb: Hinterradantrieb
Getriebe: 6-Gang-Schaltung
Verbrauch: 12,8 l Benzin/12,7 im Test (nur probeweise! ;-))
Preis: ab 67.950,– €/Testfahrzeug 73.123,24 €