… und überhaupt alle Autos miteinander kommunizieren könnten, gäbe es in Österreich über 100 Verkehrstote weniger! Nicht nur das: Es gäbe auch weniger Stau und somit weniger wirtschaftliche und ökologische Schäden. Und wir ersparten uns auch deutlich mehr Zeit!

Zeitvertreib

73 Stunden. So viel Zeit verbringen Autofahrer in Wien pro Jahr durchschnittlich im Stau.

Was man in 73 Stunden alles machen kann!
Zum Beispiel 140 Tassen Cappuccino im Lieblingscafé trinken.  Alle bisherigen Staffeln von Breaking Bad und dazu 20 Episoden von Game of Thrones gucken.
Könnten wir.
Echt jetzt.

Gäbe es nun ein g’scheites Verkehrssystem, das nicht nur in Wien und Österreich, sondern in ganz Europa alle Fahrzeuge miteinander und darüberhinaus u. a. auch mit Ampelanlagen und Verkehrsdiensten vernetzt, wären nicht nur diese Stauzeiten sehr sehr viel geringer, sondern – und das ist der wesentlich wichtigere Punkt – es stürben vor allem weniger Menschen im Verkehr.

Geschätzte 30 Prozent weniger Verkehrstote, das wären in Österreich 136 Menschen.

Wie soll das funktionieren!?

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KAMERAS UND SENSOREN AN AMPELN UND SCHILDERN ÜBERTRAGEN LIVE.

Wir müssen oder sollen uns das so vorstellen, dass sowohl Autos als auch Ampeln, Verkehrsleitsysteme, Straßenschilder oder auch Wetterinformationssysteme mit entsprechenden Geräten (Kameras, Sensoren, etc.) ausgestattet sind. Diese nehmen Situationen auf bzw. registrieren sie als Daten, verarbeiten sie und geben sie innerhalb von Sekundenbruchteilen an die Fahrzeuge weiter, die mit entsprechenden elektronischen Chips ausgestattet sind. Die alle reden also miteinander, bevor wir hinterm Lenkrad noch irgendetwas wahrnehmen.

WINZIGKLEINER CHIP MIT GROSSER WIRKUNG.

WINZIGKLEINER CHIP MIT GROSSER WIRKUNG.

Heißen tut das V2X. Übersetzt: Kommunikation zwischen Vehikel zu Wasauchimmer, also anderem Vehikel oder verkehrsinfrastrukturellem Zeugs.

Konkret bedeutet das: Die Fahrzeuge und Verkehrssysteme würden einander mitteilen, wo ein Verkehrshindernis lauert, dass sich aus der nächsten Quergasse ein Motorradfahrer nähert, wo die Straße gefährlich rutschig ist oder wo eine Baustelle beginnt. Und das alles lange, bevor die Gefahren tatsächlich in Sichtweite des Fahrers gelangen.

Die Lenker bekämen via Display im Auto entsprechende Informationen und könnten rechtzeitig reagieren oder aber – wir denken bereits visionärer – das Fahrzeug würde selbst reagieren.

Funktioniert das auch wirklich?

Das Gute an dieser V2X-Sache ist: Sie ist weder auf Mobilfunk- noch andere Netze angewiesen, die langsam oder instabil sein können, sondern sie basiert auf einer simplen Art Funk-Prinzip, das speziell auf den Verkehr zugeschnitten ist.

Durch diese direkte Verbindung zwischen Verkehrsteilnehmer und Infrastruktur gibt’s keine Verzögerungen und auch eine komplett (vor Manipulation und Missbrauch) geschützte und sichere Übertragung der Verkehrs- und Fahrzeugdaten.

Was utopisch klingt, steht in geheimen Labors und auf Testgeländen schon längst auf der Tagesordnung. Einzelne Automarken können dank (eingebauten) Radar und Sensoren Teile dieser Funktionen bereits teilweise umsetzen. Deren schlaue Navis sagen zum Beispiel Stau an und schlagen gleichzeitig eine alternative Route vor.

Nun aber reden alle mit.

Let’s talk about traffic

Seit 11. 11. wird diese Art der Kommunikation „in Echt“ getestet, auf dem sogenannten ITS Korridor in Deutschland, Österreich und den Niederlanden (IST = Intelligent Transport Systems).

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Heute war Wien dran.
Einige Hondas demonstrierten, was bald schon alltäglich sein könnte. Ein simples Beispiel: Das Auto warnt „Achtung, da vorne wollen Fußgänger queren.“ Die Informationen kriegt es von der Kamera über der Ampel, die es an den eingebauten Chip schickt.

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Bis es soweit ist, müssen selbstverständlich Politik, Autobahnbetreiber, -hersteller und Industrie zusammenarbeiten, damit  Vorzeige-Initiativen wie diese europaweit umgesetzt werden können. 2016 sollen und wollen die ersten Automobilhersteller diese Technologie für jedefrau/jedermann  jedenfalls umgesetzt haben.
Wollen wir’s hoffen. Jeder Verkehrstote weniger und gewonnene Zeit sind es unendlich wert.

Zahlen & Fakten

  • 1,3 Mio. Verkehrstote weltweit
  • 450 Verkehrstote in Österreich
  • durch V2X-Technologie: 30 Prozent weniger Verkehrstote
  • 35 Stunden pro Jahr verbringen deutsche Autofahrer im Stau
  • 73 Stunden pro Jahr verbringen Wiener Autofahrer im Stau
  • 2013 verursachten Staus rund 7,4 Milliarden Euro wirtschaftlichen Schaden in Europa
  • an der Communicating Cars-Initiative beteiligt sind: NXP, Siemens, Honda, Cohda Wireless, der deutsche TÜV Süd, die Automobilclubs AvD und ANWB
  • 100 von 124 Ländern verwenden bereits die Sicherheitschips von NXP