Der Gardasee liegt hinter uns. Vor uns warten das Stilfser Joch und legendäre Dolomitenpässe. Und ein paar Wellness-Minuten für die Moto Guzzi Stelvio Duecento Tributo.
Der Name unserer Moto Guzzi Stelvio Duecento Tributo macht klar, wohin die Reise früher oder später führen musste. Da wäre alles andere fast schon Majestätsbeleidigung gewesen. Immerhin wurde die Sonderedition zum 200-jährigen Jubiläum des Passo di Stelvio alias Stilfser Joch aufgelegt.
Manche Motorräder erzählen ihre eigene Geschichte
Wir haben übrigens auch Rita und Valerij, die wir am Gardasee kennengelernt haben, den Passo di Stelvio ans Herz 
Schon allein wegen ihres Motorrads und dessen Geschichte. Die BMW gehörte einst Fritz Witzel, dem wohl ältesten BMW-Motorradtester Deutschlands. Noch mit 90 Jahren war er unterwegs, bevor er vor Kurzem verstarb.
Er ist genau diese Maschine eingefahren, und Valerij bis heute mehr als 100.000 Kilometer damit durch Europa getourt. Aber zurück zur und zum Stelvio…
Am Dach der Tour
Auch wenn ich schon mehrmals auf dem Passo di Stelvio war, ist dieser Moment trotzdem jedes Mal besonders:
87 Kehren, viele davon so richtig spitz, 48 auf der Südtiroler Seite, 39 auf der italienischen von/nach Bormio, 2.758 (bis 2.760, da variieren die Angaben und Straßenschilder) Meter hoch … die „Königin der Passstraßen“.

Wir sind bewusst halbwegs früh dran, von der italienischen Seite aus, und schrauben uns somit, nach ein paar recht einfachen Überholmanövern, auf nahezu freier Fahrt und Sicht den Berg hinauf.
Oben dann der übliche Ausnahmezustand, und wieder fotografieren nicht nur wir das Bike, sondern auch andere uns und das Bike, die Nr. 401 der Stelvio Duecento Tributo, sieht man eben nicht alle Tage.
Und diesmal ging sogar ein völlig überteuertes Souvenir mit, ein Stelvio Halstücherl.

Fahrwerk, Handling & Bremsen
Aus Gerys Fahrersicht: Kein Test dieser Sonderedition wäre komplett, ohne genau jenen Pass zu fahren, dem sie ihren Namen verdankt. 48 Kehren auf der Nordrampe, ähnlich viele auf der Südseite – das Stilfser Joch ist die Königsdisziplin, an der sich jede Reiseenduro beweisen muss.
Die Stelvio hat das mit einer Souveränität gemeistert, die mich überrascht hat: handlich in den engen Spitzkehren, satt und stabil in den schnelleren Passagen, mit der USD-Gabel vorn und dem einstellbaren Monoshock hinten immer genau da, wo man sie haben will. Die Brembo-Doppelscheibe vorn packt kräftig und gut dosierbar zu – wer die Kurve verschätzt hat, bekommt hier eine zweite Chance, statt eine Standpauke von der Physik.
Auf der Knieschleifer-Seite – für alle, die es genau wissen wollen – lässt sich die Stelvio erstaunlich weit in Schräglage legen. Sie ist kein reinrassiges Sportgerät, aber sie tut auch nicht so, als wäre extreme Schräglage eine Majestätsbeleidigung. Wer am Limit tanzen will, bekommt hier ein Motorrad, das mitspielt, statt permanent zu warnen.

Wellnessprogramm zwischendurch

Fliegen runter, Staub runter – schließlich möchte eine Italienerin auch geschniegelt aufs Erinnerungsfoto. (Ich bin mir bis heute nicht sicher, wer diesen Zwischenstopp mehr genossen hat …)
Südtirol kann Berge
Vom Vinschgau geht es weiter durchs Eggental, über das Grödner Joch, das Sellajoch und später den Passo di Pordoij.
Im Hochsommer ist hier ebenfalls echt viel los. Sehr viel. Trotzdem verliert Südtirol nichts von seinem Zauber. Die Orte wirken gepflegt, fast geschniegelt, Blumenkästen schmücken so gut wie jedes Haus und sogar kleine Dörfer sehen aus, als hätte gerade jemand für den Besuch aufgeräumt.
Vielleicht ist ja genau das einer der Gründe, warum du sogar in der Hochsaison immer wieder gern hierherkommst.
Tour Tag 5: Bormio – Stelvio – Vinschgau – Meran – Bozen – Eggental – Grödner Tal – Stella Joch – Pordoj Joch – Arraba

Kurven ja. Schlaglöcher eher nicht.
Über Cortina d’Ampezzo führt uns die Strecke weiter zum Passo della Mauria. Biker lieben diesen Pass. Die Kurven machen richtig Spaß, der Verkehr hält sich in Grenzen und die Landschaft spielt wieder einmal alle Stücke.
Nur der Straßenbelag … ich sag mal so: Er hat schon bessere Zeiten gesehen. Da ist vom Fahrer noch kurvigeres Fahren 
Und von mir als Sozia ebenso höchste Aufmerksamkeit gefordert.
Ein Kaffeetscherl und ein Cola päppeln uns danach wieder auf.
Elektronik & Sicherheit: Radar statt Rätselraten
Aus Gerys Fahrersicht: Die Duecento Tributo fährt in der bestausgestatteten Version 
Frontkollisionswarnung, Totwinkelüberwachung und Spurwechselassistent arbeiten unauffällig im Hintergrund und melden sich erst, wenn es wirklich relevant wird – etwa auf engen Passstraßen, wo der Verkehr aus dem toten Winkel gerne mal überraschend auftaucht.
Dazu kommen fünf Fahrmodi, Kurven-ABS und eine Traktionskontrolle, die eingreift, ohne den Fahrspaß gleich im Keim zu ersticken. Wer auf Nummer sicher gehen will, bekommt hier ein System, das mitdenkt, statt nur zu bevormunden.

Grenzen verschwinden, Berge bleiben
Über Tarvis geht es langsam wieder Richtung Österreich. Der Wurzenpass markiert zwar eine Landesgrenze, landschaftlich fühlt sich die Reise einfach nahtlos an. Die Berge (okay, schauen bisschen anders aus) bleiben, die Kurven auch.
Nach einem überraschenden Regenguss, der den geplanten Shopping-Stop in Tarvis ertränkt, fahren wir kurzerhand direkt ins Hotel Wurzer.

Prachtvolle Idee, denn nach den vielen Kilometern wirkt schon das Ausziehen der Motorradstiefel wie Wellness. Und der fantastische Ausblick sowie der kühle Pool tun das ihre dazu.
Beim Abendessen wird wieder einmal klar, warum Motorradreisen so besonders sind. Es geht ja nie nur ums Fahren. Sondern die Geschichten des Tages, das gemeinsame Schmunzeln über Situationen, die unterwegs vielleicht gar nicht so lustig waren. Und wie immer das Stöbern in den Fotos und Löschen der überflüssigen Bilder.
Tour Tag 6: Arraba – Corvara – Cortina –Passo della Mauria – Tarvis – Wurzenpass – Velden
Heimweg eher hurtig
Der Heimweg gehört natürlich auch zur Reise, manchmal ist er Teil davon, diesmal eher nur Kilometer-Sammeln.
Von Velden geht es entlang der Drau über die Soboth und schließlich auf Bundesstraßen Stück für Stück zurück nach Hause. Ich zücke immer seltener das Handy, schließlich kennen wir die Gegend gut und irgendwie wollen wir jetzt auch ganz gern wieder heim, die Vorfreude auf den Pool und den Lieblingsteich wächst.

Fazit Moto Guzzi Stelvio Duecento Tributo
Aus Gerys Fahrersicht: Meine Empfehlung: Probefahren. Die Chance ist groß, dass man an dieser Maschine hängen bleibt, nicht nur optisch, sondern auch vom Fahrgefühl her.
Die Moto Guzzi Stelvio Duecento Tributo verlangt, dass man sich auf sie einlässt – auf die Drehzahl, auf den Charakter. Wer das sucht, bekommt mit dieser Sonderedition ein Fahrzeug, das komfortables Langstreckenreisen mit einem lebendigen, drehfreudigen Motor und einem der besten Schaltautomaten verbindet, die mir in dieser Klasse untergekommen sind.
Ein Nebeneffekt, den man einkalkulieren sollte: Man fällt auf. Egal ob an der Tankstelle, vor dem Hotel oder mitten in einer Ortsdurchfahrt in Südtirol – die Blicke bleiben hängen, und irgendwer kommt garantiert vorbei, um zu fragen, was das denn für eine Nummer sei. Das gehört zu dieser Maschine genauso dazu wie der Sound und die Gravur auf der Lenkerbrücke.
Für wen die Stelvio ist:
✅ Drehzahl-Fans. Wer bereit ist, den Motor „aufzuwecken“, wird mit drehfreudigem V2-Sound belohnt.
✅ Komfort-Touristen mit Anspruch. Sitz- und Griffheizung, elektrisch verstellbares Windschild, radarunterstützte Assistenzsysteme – die Stelvio denkt mit, ohne zu bevormunden.
✅ Alle, die auffallen wollen. Ob an der Tankstelle, vor dem Hotel oder mitten in Südtirol: Die Blicke bleiben hängen. Wer diskret durchs Leben fahren möchte, ist hier definitiv falsch.
✅ Sammler und Detailverliebte. Handgravierte Seriennummer, gelaserte Koordinaten des Stilfser Jochs, nur 2.758 Exemplare.
✅ Technikbegeisterte. Bidirektionaler Quickshifter, Kurven-ABS, fünf Fahrmodi, Traktionskontrolle
Für wen eher nicht:
❌ „Aktenkoffer-Fahrer“. Wer sein Motorrad brav bei halber Drehzahl bewegt und keine Lust auf Schaltarbeit hat, 
❌ Sparsame Naturen. 19.999 Euro sind kein Schnäppchen.
❌ Ungeduldige Gepäck-Packer. Die Koffer sehen gut aus. Aber: Hinten und seitlich muss man jedes Mal mit Schlüssel aufsperren, und auch das Abnehmen ist eher ein Kraftakt als ein Handgriff. Vielleicht gibt’s ja eine praktischere Lösung.
❌ Kurzsichtige (im wörtlichen Sinne). Die Displayschrift könnte gern eine Spur größer sein.
❌ Sozias mit Kontakt-Scheu. Die Rückenlehne ist bequem, bis eine Unebenheit kommt. Dann heißt es: näher an den Fahrer rücken statt anlehnen.















